30 Jahre Treffpunkt für Menschen in Not

30 Jahre Treffpunkt für Menschen in Not – ein Ort, an dem jede und jeder willkommen ist
Seit 1996 gibt es in Brühl den „Treffpunkt für Menschen in Not“. Drei Jahrzehnte, in denen viele Menschen hier Unterstützung, ein Frühstück, ein offenes Ohr und vor allem Gemeinschaft gefunden haben. Dieses Jubiläum wurde jetzt gemeinsam mit Gästen, Ehrenamtlichen, ehemaligen Wegbegleitern und zahlreichen Unterstützern gefeiert.
Es war eine Jubiläumsfeier, bei der die Begegnung im Mittelpunkt stand. In herzlicher und ungezwungener Atmosphäre kamen Menschen miteinander ins Gespräch, die den Treffpunkt seit vielen Jahren begleiten, ihn unterstützen oder regelmäßig besuchen. Erinnerungen wurden ausgetauscht, alte Bekanntschaften aufgefrischt und das gemeinsame Engagement gewürdigt.
Pastoralreferent Stefan Haas und Engagementförderin Valeria Aebert begrüßten die Anwesenden und blickten gemeinsam mit ihnen auf die Geschichte und Entwicklung des Treffpunkts zurück. Unter den Gästen waren auch zwei Menschen, die bereits bei der Gründung mitgewirkt hatten: Lydia Ossmann und Diakon Bernd Reimann. Außerdem nahmen der zweite stellvertretende Bürgermeister der Stadt Brühl, Robert Saß, Vertreter der katholischen Kirchengemeinde, zahlreiche ehemalige und aktuelle Ehrenamtliche sowie Förderer der Einrichtung teil.
Eine Initiative aus der katholischen Kirchengemeinde
Die Geschichte des Treffpunkts begann 1996 mit einer Initiative des damaligen Pfarrgemeinderates der katholischen Kirchengemeinde St. Margareta. Die Idee war, einen Ort für Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu schaffen, an dem sie nicht nur praktische Unterstützung, sondern auch menschliche Zuwendung und Gemeinschaft erfahren können.
In den ersten Jahren befand sich der Treffpunkt am Steinweg, gegenüber dem Neuen Rathaus. Eine große Gruppe Ehrenamtlicher bereitete dort regelmäßig warme Mahlzeiten zu. 2007 zog die Einrichtung in die ehemalige Küsterwohnung an der Wallstraße um. Mit dem Umzug veränderte sich auch das Angebot: An die Stelle der warmen Mahlzeiten trat ein Frühstück, das bis heute an vier Vormittagen in der Woche angeboten wird.
In den vergangenen drei Jahrzehnten haben sich auch die kirchlichen Strukturen in Brühl erheblich verändert. Kirchengemeinden wurden zusammengelegt, Zuständigkeiten und Organisationsformen neu geordnet. Der Treffpunkt hat all diese Veränderungen überdauert. Er ist bis heute ein Beispiel dafür, wie eine Initiative aus der Gemeinde über Jahrzehnte hinweg Bestand haben kann, weil Menschen sich mit ihr identifizieren und Verantwortung übernehmen.
Was sich ebenfalls nicht verändert hat, ist die Grundidee: Jeder Mensch ist willkommen. Niemand muss sich rechtfertigen oder erklären, warum er kommt. Wie Ehrenamtskoordinatorin Valeria Aebert bei der Jubiläumsfeier betonte, wurde nie gezählt, wie viele Menschen den Treffpunkt in den vergangenen 30 Jahren besucht haben. Eines sei aber immer klar gewesen: „Die, die kommen, waren und sind die Richtigen.“
Mehr als ein kostenloses Frühstück
Das gemeinsame Frühstück ist bis heute das Herzstück des Treffpunkts. Hier können Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Kontakte pflegen und Gemeinschaft erleben. Für manche ist der regelmäßige Besuch ein wichtiger Bestandteil ihres Alltags.
Daneben spielt die Weitergabe gespendeter Lebensmittel weiterhin eine Rolle. Allerdings wurde die Lebensmittelausgabe innerhalb des Treffpunkts in den vergangenen Jahren bewusst reduziert, damit Begegnung und Gemeinschaft im Vordergrund stehen. Die Lebensmittelhilfe geht dennoch weiter: Gespendete Waren werden unter anderem zu Geflüchteten am Lupinenweg und an andere Orte gebracht.
Auch die Räume des Treffpunkts werden inzwischen vielfältig genutzt. So finden hier Selbsthilfegruppen einen Platz. Zeitweise stand der Treffpunkt dienstags auch für eine Anlaufstelle der Drogenhilfe im Rahmen eines Streetworkerprojekts zur Verfügung.
Getragen von Menschen, die sich engagieren
Dass der Treffpunkt seit 30 Jahren besteht, ist vor allem den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern zu verdanken. Sie bereiten das Frühstück vor, bewirten die Gäste und holen an fünf Tagen in der Woche Lebensmittelspenden bei Brühler Geschäften ab – mit ihren privaten Autos und oft schon seit vielen Jahren.
Einige Engagierte begleiten den Treffpunkt bereits seit Jahrzehnten. Bei der Jubiläumsfeier wurden unter anderem Kurt Heil und Paul Berger stellvertretend für die vielen langjährigen Helferinnen und Helfer gewürdigt.
Eine besondere Rolle spielt Klaus Wirz. Seit 20 Jahren ist er für den Treffpunkt tätig, zunächst ehrenamtlich und seit zehn Jahren im Rahmen einer Teilzeitbeschäftigung. Er organisiert den Alltag, bereitet die Öffnung vor und sorgt gemeinsam mit den Ehrenamtlichen für eine verlässliche und freundliche Atmosphäre.
Pastoralreferent Stefan Haas würdigte bei der Jubiläumsfeier insbesondere diese Verlässlichkeit. Sie habe sich auch während der Corona-Pandemie gezeigt. Während viele andere Einrichtungen schließen mussten, konnte der Treffpunkt sein Angebot unter angepassten Bedingungen aufrechterhalten. Zeitweise wurden Lebensmittel und Kaffee an der Tür ausgegeben.
„Kontinuität hängt an Strukturen, aber eben auch und zuallererst an Personen“, betonte Haas. Für seinen langjährigen Einsatz und seine Hingabe erhielt Klaus Wirz einen besonderen Dank und einen Blumengruß.
Unterstützung durch viele Spenderinnen und Spender
Der Treffpunkt finanziert sich nahezu ausschließlich aus Spenden. Dazu gehören regelmäßige Zuwendungen von Privatpersonen, Kollekten der evangelischen Kirchengemeinde und die Unterstützung durch Brühler Unternehmen und Initiativen.
Eine wichtige Grundlage sind die Lebensmittelspenden örtlicher Geschäfte. Bei der Jubiläumsfeier war unter anderem Armin Lenzen, Leiter des unterstützenden REWE-Marktes, anwesend.
Auch die Rotarier engagieren sich seit vielen Jahren, unter anderem mit Weihnachtspaketen für die Gäste. Hinzu kommen weitere Unterstützer, darunter das Ehepaar Lernbecher, das jährlich ein Charity-Essen zugunsten des Treffpunkts veranstaltet.
Ohne dieses Zusammenspiel aus ehrenamtlichem Engagement, Sach- und Geldspenden wäre das Angebot nicht möglich.
Räume öffnen – für Begegnung und Gemeinschaft
Das Leitbild der Katholischen Kirche in Brühl und Wesseling lautet: „Katholische Kirche in Brühl und Wesseling öffnet Räume für Begegnung.“ Der Treffpunkt für Menschen in Not zeigt schon seit 30 Jahren, wie dieser Gedanke im Alltag Wirklichkeit werden kann.
Dabei geht es um weit mehr als darum, Räume zur Verfügung zu stellen oder materielle Hilfe anzubieten. Es geht darum, Menschen einen Platz zu geben, an dem sie willkommen sind, wahrgenommen werden und anderen auf Augenhöhe begegnen können. Hier zählt nicht, was jemand besitzt oder welche Schwierigkeiten ihn gerade beschäftigen. Entscheidend ist, dass Menschen zusammenkommen und ein Stück Alltag miteinander teilen.
Genau das war auch bei der Jubiläumsfeier zu erleben. Gäste, Ehrenamtliche, Förderer und Vertreter der Kirchengemeinde kamen miteinander ins Gespräch. Nicht die unterschiedlichen Rollen oder Lebenssituationen standen im Vordergrund, sondern das, was die Menschen miteinander verbindet.
Der Treffpunkt ist damit nicht nur ein Ort sozialer Unterstützung, sondern auch ein lebendiges Beispiel kirchlichen Engagements, das von der Initiative und Verantwortung vieler Menschen getragen wird.
Dreißig Jahre Treffpunkt für Menschen in Not sind deshalb nicht nur ein Anlass, auf eine erfolgreiche Geschichte zurückzublicken. Sie zeigen auch, wie wichtig solche Orte für das Zusammenleben in einer Stadt sind: Orte, an denen Menschen einander begegnen, Zeit miteinander verbringen und erfahren können, dass sie dazugehören.